Müllers kleines ABC

A wie Aesthetic-usability Effect

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Christopher Müller, Inhaber und VRP von Die Ergonomen Usability AG. (Source: zVg)
Christopher Müller, Inhaber und VRP von Die Ergonomen Usability AG. (Source: zVg)

Theorie: Man kennt es aus dem realen Leben: Finden wir einen Menschen schön, neigen wir eher dazu, über gewisse charakterliche Mängel hinwegzusehen. Das funktioniert auch digital: Gefällt uns beispielsweise eine Website, drücken wir bei Holprigkeiten in der Bedienung gern mal ein Auge zu. Umgekehrt gilt ebenso: Ist die Website hässlich, regen wir uns schon über kleinste Mängel auf. Dieses Phänomen nennt sich Aesthetic-usability Effect und soll erstmals 1995 von Masaaki Kurosu und Kaori Kashimura näher erforscht worden sein. Beide waren damals Forscher beim japanischen Hitachi-Konzern.

Realität: Der Effekt ist recht gut mit Studien unterfüttert. So konnte etwa festgestellt werden, dass von zwei Websites mit identischem Bedienkonzept die «schönere» tatsächlich als besser bedienbar empfunden wird. Nachgewiesen ist auch, dass bunte Bedienoberflächen tendenziell besser wegkommen als schwarz-grau-weisse. Ja, sogar bestimmte Schriftkombinationen lassen die Bedienbarkeit in besserem Licht erscheinen als andere – nicht etwa, weil sie besser leserlich wären, sondern nur, weil sie besser gefallen.

Damit lässt sich natürlich an der User Experience arbeiten. Dabei sollte man sich aber bewusst sein, dass schlechte Bedienbarkeit nicht durch gutes Design aufgewogen werden kann. Das zeigt ein kurzer Spaziergang im Web, beispielsweise zu den Sites von angesagten Lifestyle-­Läden oder illustren Architekturbüros. Meist sind die zwar hübsch anzusehen, viele reizen einen aber bis zur Weissglut, wenn man sich rasch zurechtfinden will.

Fazit: Wer also meint, es genüge, eine Bedienoberfläche schön herauszuputzen, um eine zweifelhafte Usability zu übertünchen, denkt zu kurz. Gute Bedienbarkeit ist durch nichts zu ersetzen. Sie lässt sich planen, umsetzen und auch messen. Schönheit hingegen bleibt schwierig zu fassen, schon nur, weil sie bekanntlich im Auge des Betrachters liegt. Daran zu feilen, lohnt sich aber schon; denn wirklich geliebt wird, was ergonomisch und schön ist.

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